Lehmmuseum Gnevsdorf

Adresse und Kontakt
Lehmmuseum Gnevsdorf
Steinstr. 64 A
19395 Ganzlin, OT Gnevsdorf
Tel: 038737 33830
Öffnungszeiten: Di -So 10-17 Uhr 1.5. – 3.10.

So finden Sie uns.

Zum aktuellen Programm des Lehmmuseums und der Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau siehe Kalender

Zum Programm und Ausstellungen der Vorjahre (Archiv)

Das Museum gibt seit 2011 eine Schriftenreihe heraus, die sich den Werken verdienter Lehmbaufachleute widmet.
Zur Schriftenreihe Lehmmuseum Gnevsdorf

 

Die Aktivitäten des  Lehmmuseum Gnevsdorf werden unterstützt und gefördert durch den Verein Förderkreis Lehmmuseum e.V. und  durch das Land Mecklenburg-Vorpommern als Maßnahme der Umweltbildung, -erziehung und –information von Vereinen und Verbänden und
durch die Norddeutsche Stiftung Umwelt.
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Eine verfallene Scheune wird zum Lehmmuseum

„Zusammenschieben“, das war vor zwanzig Jahren die Reaktion auf alte, verfallende Häuser. Nicht so der FAL, der Verein für den Erhalt angemessener Lebensverhältnisse südlich des Plauer Sees. Schon der erste Blick auf die alten Lehmstaken im Eingang förderte den Wunsch zu Tage, dem „vergessenen“ Baustoff hier einen Ort, ein Museum zu schaffen.

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Der erste Gang

Der erste Gang hinter der Diele zeigt den weiten Weg, den der Lehm in unserer Region gereist ist, gereist wurde, als ihn die Eismassen der Eiszeiten von den nördlichen Ländern hierher verschoben. Und er zeigt die Mitbringsel, die kleinen und die großen Steine, die Findlinge, die unsere Gegend so steinreich machen.

 

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Der zweite Gang

Dann im zweiten Gang andere Lehme von überall auf der Welt, ihre Farben, ihre Unterschiede, ihre Ge­meinsamkeiten.

 

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Der dritte Gang

Lehm ist in den Mythen der Welt zuhause, Lehm hat das Feuer zum Menschen getragen und seit alters hat er dem Menschen geholfen, seine Häuser zu bauen. Dies alles zeigt der nächste Gang. Ein Ofen, eiszeitlichen Backöfen nachempfunden, eiszeitliche Schmelzöfen und Formen (in Planung), Zitate aus den Mythen, Bilder bekannter historischer Bauten aus Lehm und sogar Herr Golem, wie er in Herrn Meyerinks Phantasie zu hause war. Golem, in der jüdischen Tradition der Mensch, der vom Menschen geschaffen wurde, vom Menschen, der sich in seiner Hybris anmaßte, selbst dem Stück Lehm das Leben einhauchen zu können und dabei nur hirnlose … ein vorweggenommenes Gleichnis auf die Hybris heutiger Technik.

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Schwalbennest

„Ein alter Baumeister und was wir von ihm lernen können“ hieß ein schmales Heft in den dreißiger Jahren, das die Dünner Lehmbrotbauweise propagierte. Mit den alten Baumeistern waren die Schwalben gemeint. Wir haben für Sie ein begehbares Schwalbennest gebaut, in dem wir Ihnen eine Vielzahl von Insekten zeigen, die im Lehm zuhause sind, die im und mit Lehm ihre Nester bauen. So hatten wir auch früher im Außenbereich des Museums ein großes Bienenhotel, nur haben sich wegen dem Güllegestank und wegen der ausgeräumten Landschaft unsere Hotelgäste dort nicht zu hause gefühlt. Anders im nahegelegenen Wangeliner Garten, in dem wir wegen der dortigen Pflanzenvielfalt über hundert unterschiedliche Arten Bienen und Wespen begrüßen konnten.

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Der vierte Gang

Zurück zum vierten Gang des Museums, der ganz dem heimatlichen Erbe gewidmet ist, den Lehmbauepochen, die ein Schattendasein führen. Lehmbau war häufig mit gesellschaftlichen Umbrüchen verbunden. Kurz vor der französischen Revolution hatte die dortige Regierung einen Wettbewerb ausgeschrieben, eine preiswerte Bauweise für den gemeinen Mann zu finden. Gewonnen hatte 1788 François Cointeraux mit seinem Buch über die Pisebauweise, die in seiner Heimat, den Hautes-Alpes, und in der angrenzenden Dauphine zuhause war. Am Beginn des industriellen Umbruchs brauste der Ruf nach Stampflehm als Ressourcen schonender Bauweise durch Europa und löste einen Hype sinniger und unsinniger Erfindungen aus. Gerade auch in Preußen, das durch den siebenjährigen Krieg gebeutelt war und dessen Jugend für Neues brannte.

Das Haus in den Langenhägenern Seewiesen war eins der letzten in der Region in einer eigentümlichen Stampflehmbauweise, Stab-Pisé genannt. In jede zweite Stampflehmschicht wurden Hölzer wechselnd diagonal eingelegt. Hier sehen Sie die letzten Reste des Hauses, das aus unverständlichen Gründen nicht gerettet werden konnte.

Nach dem letzten Krieg war das damalige Mitteldeutschland überlaufen mit Flüchtlingen aus den ehemaligen Ostgebieten. Sie bekamen in der Bodenreform Land aus Junkerhand und Neubauernhäuser. Minimalgrundrisse, fünfundzwanzig Quadratmeter Wohnfläche, Stall, Scheune. Laut Befehl der sowjetischen Militäradministration sollten dabei vierzig Prozent aus Naturmaterialien gebaut werden. Es war die größte, von oben verordnete Lehmbaubewegung in Deutschland. Vorbereitet von einem gesamtdeutschen Netz von Lehmbauschulen mit altgedienten Lehmbauexperten, von Pankow gesteuert. Eine absonderliche Nachkriegsallianz.

Jahre nach der Eröffnung des Museums stand eines Tages ein würdiger alter Herr im Museum und erklärte, er habe bis zu ihrer Auflösung in der Lehmbauschule in Güstrow mitgearbeitet und wolle uns seine Unterlagen aus dieser Zeit schenken.

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Gang rechts und Raum Modelle (rechts der Diele)

Zuerst fällt uns in dem Raum rechts der Diele das Modell einer Stampflehmscheune ins Auge. Von diesen Rundscheunen gab es drei im Raum um Lübeck, eine davon ist noch erhalten in Bollwinkel nahe bei Oldenburg in Holstein, „unsere“ stand in Schönfeld.

Daneben werden Sie in Kürze sehen, wie Fachwerkwände von innen gedämmt werden können und wie eine solche gedämmte Wand darüber hinaus noch als Heizung dient, eine Wandflächenheizung.

Noch viel mehr Modelle zeigen, wie heute Außenwände mit Lehm gebaut werden, die den Ansprüchen des Wohnkomforts und Wärmedämmung genügen:

  • ein Wand aus Stampflehm mit Außendämmung aus Holzweichfaser und einem Kalkputz gegen den Regen
  • großformatige Lehmsteine, die Deckenlasten aufnehmen mit derselben Isolierung und Schutz nach außen
  • eine noch höhere Isolierung ist zwischen den Holzständern möglich und Lehmsteine innen vorgesetzt  als Masse
  • Leichtlehm als isolierende Masse zwischen Holzständern, außen eine zusätzliche Dämmung aus Holzweichfaser und Putz
  • Die Innendämmung eines Fachwerks mit Leichtlehm
  • Und demnächst sogar eine Wand aus Strohballen, innen und außen verputzt.

Für Fachleute: alle Neubauwände haben einen U-Wert von 0,35, die gedämmte Fachwerkwand von 0,5 und die Strohballenwand von 0,15 [W/m²K]. Natürlich, gesund und sparsam.

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Raum Putze (ebenfalls rechts)

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Die Olle erzählt (rechter Gang hinten)


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