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s_schattschneider

Hanf-Kalk-Spritzdämmung im Einsatz

Erste Hanf-Kalk-Spritzung am neuen Giebel erfolgreich umgesetzt
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Themen
Bauen mit Hanf/Kalk/Tadelakt
Hanf-Kalk-Spritztechnik
Freie Schlagwörter
Dämmung
Hanfkalk
Kurzer Anrisstext

Die Giebelwand unseres „Denklabor Bauwende“ erstrahlt in Hanf-Kalk. Das Verfahren der Spritz-Dämmung verbindet ökologische Verantwortung mit bauphysikalischer Qualität. In einer Lehrbaustelle wird die innovative Dämmtechnik praxisnah vermittelt und didaktisch begleitet – ein wichtiger Schritt für nachhaltiges Bauen und Umweltbildung.

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Am 6. August kam an der neuen Giebelwand unseres Bürogebäudes „Denklabor Bauwende“ die Hanf-Kalk-Spritztechnik zum Einsatz. Damit konnten wir einen wichtigen Schritt in unserem Projekt „Hanf trifft Kalk – Nachhaltiges Bauen erleben“ umsetzen, in dem es um die Erprobung und Vermittlung dieser innovativen Bauweise geht.

Die Methode verbindet ökologische Verantwortung mit bauphysikalischer Qualität: Ein Gemisch aus Hanffasern und Kalk wird mithilfe eines Spritzverfahrens direkt auf eine Unterkonstruktion aufgetragen. Das Ergebnis ist eine ressourcenschonende Dämmung, die nicht nur CO₂ bindet, sondern auch durch ihre positiven Eigenschaften überzeugt: von der Feuchteregulierung über Wärmeschutz bis hin zum Schutz vor Schimmelbildung.

Trotz dieses Potenzials kommt die Hanf-Kalk-Spritztechnik bisher nur selten zum Einsatz und ist in der Umweltbildung kaum sichtbar, insbesondere nicht im ländlichen Raum. Genau hier setzt unser Projekt an: Die Technik wird in einer öffentlich zugänglichen, fachlich begleiteten Lehrbaustelle demonstriert und durch ein didaktisches Rahmenprogramm erlebbar gemacht. Im nächsten Schritt entwickeln wir ein niedrigschwelliges Lernformat, das fest ins Kursprogramm der Bildungsstätte eingeht.

Handwerker Thomas Kretschmer verfügt mit seiner Firma Lehm und Bau als einer von wenigen Betrieben in Deutschland über die innovative Maschine, bei der das Mischen direkt während des Spritzverfahrens geschieht. Die Hanfschäben werden trocken herausgeblasen, in der Luft mit Kalkmilch gemischt und so während des Spritzens gebunden.

Die Zement- und Kalkwerke Otterbein entwickelten eine innovative Rezeptur auf Basis des Grundbindemittels NHL2, ganz ohne Zement. Um zementfreies Material nicht aus dem Ausland importieren zu müssen, trat Thomas Kretschmer an die Zement- und Kalkwerke Otterbein heran. Dem ersten echten Einsatz am 6. August ging eine mehrmonatige Entwicklungs- und Testphase voraus. Auch bei diesem Praxiseinsatz am Giebel des Denklabor Bauwende gab es wertvolle Erkenntnisse, die direkt in die Weiterentwicklung der Rezeptur einfließen.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der erste Spritztermin auch in den Medien: Die Hanf-Kalk-Spritzung wurde in einem NDR-Beitrag über den Wangeliner Garten und die Bildungsstätte für Lehmbau aufgegriffen (wenn auch nur als Nebenschauplatz, ab Minute 3:00). Damit rückt die Technik über die Region hinaus in den Blick der Öffentlichkeit.

Neben dem Filmteam des NDR kam auch intern die Kamera zum Einsatz. Die filmische Dokumentation wird ein Baustein des neu zu entwickelnden Kurses sein.

Eine weitere Wand wird im Rahmen des Kurses Baubiologisches Sanieren, Dämmen, Bauen mit Hanf gespritzt werden. Hier steht die praktische Vermittlung im Vordergrund: Die Teilnehmenden werden die Technik selbst anwenden, reflektieren und gemeinsam auswerten. Neben der Spritztechnik gibt es im Kurs auch Praxisstationen zu Hanfsteinen und Orthanf.

Wir freuen uns sehr über den erfolgreichen Auftakt an der Giebelwand und laden schon jetzt dazu ein, die nächsten Schritte mitzuerleben.